Montag, Januar 19, 2026

Archäologie wird spielbar | Forscher entwickeln KI-gestütztes Videospiel zur Jungsteinzeit

Archäologen der Universitäten Kopenhagen und Bergen haben ein Videospiel entwickelt, das die Jungsteinzeit auf interaktive Weise erfahrbar macht und das mit überschaubarem Aufwand. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz, frei verfügbarer Software und Online-Tutorials entstand ein 3D-Spiel, das laut den beteiligten Forschern zeigt, wie sich archäologische Inhalte künftig deutlich einfacher digital vermitteln lassen könnten. Die Ergebnisse des Projekts wurden in der Fachzeitschrift Advances in Archaeological Practice veröffentlicht.

Digitale Formate sind in Museen und der Vermittlung kulturellen Erbes längst etabliert, ihre Entwicklung war jedoch bisher meist teuer und stark von IT-Spezialisten abhängig. Historisch geprägte Videospiele stammen daher überwiegend von großen kommerziellen Studios. Titel wie Assassin’s Creed oder Civilization erreichen zwar ein breites Publikum, setzen den Schwerpunkt aber eher auf Unterhaltung als auf wissenschaftliche Genauigkeit. Genau hier setzt das neue Projekt aus Kopenhagen und Bergen an: Es soll zeigen, dass auch Historiker und Archäologen selbst digitale Spiele mit hohem Bildungsanspruch entwickeln können.

Kern des Projekts ist ein kleines, aber technisch anspruchsvolles 3D-Spiel, das auf einem realen Forschungsprojekt zur Jungsteinzeit in Nordeuropa basiert. Grundlage bilden Videoaufnahmen zweier gut erhaltener neolithischer Langgräber in Lindeskov Hestehave auf der dänischen Insel Fünen, die mittels Photogrammetrie in eine begehbare virtuelle Umgebung überführt wurden. Entwickelt wurde das Spiel mit der kostenlosen Unreal Engine, ergänzt durch KI-gestützte Systeme für interaktive Figuren.

Eine zentrale Rolle spielen dabei zwei nicht spielbare Charaktere: ein Archäologe und eine Frau aus der Steinzeit. Beide Figuren verfügen über vorgegebene Hintergrundgeschichten und greifen auf eigens zusammengestellte archäologische Wissensdatenbanken zurück. Statt festgeschriebener Dialoge nutzen sie generative KI, um auf Fragen der Spieler zu reagieren. Die Gespräche sind damit frei, aber thematisch gelenkt und können bei Bedarf auch in mehreren Sprachen geführt werden. Auf diese Weise erkunden die Spieler die Fundstätte, lernen die Grabmonumente kennen und erhalten Einblicke in Leben, Glauben und Bestattungspraktiken der Jungsteinzeit.

„Wir glauben, dass diese kostenlosen Tools das Potenzial haben, die digitale Vermittlung des kulturellen Erbes zu revolutionieren“, sagt Projektleiter Mikkel Nørtoft von der Universität Kopenhagen. Ziel sei es, Pädagogen und Forschenden ein praktisches Rezept für digitales Storytelling an die Hand zu geben, das ohne große Budgets oder spezialisierte Entwicklerteams auskommt. Die Entwicklung des Prototyps erfolgte nach Angaben der Forscher mit sehr geringem finanziellem Aufwand und überwiegend auf Basis frei zugänglicher Lernmaterialien.

Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Machbarkeitsstudie. Es soll zeigen, dass kleine, realistische und interaktive Spiele mit hohem Bildungswert auch außerhalb der klassischen Games-Industrie entstehen können. Perspektivisch sehen die Forscher Einsatzmöglichkeiten in Museen, im Schul- und Hochschulunterricht sowie in der digitalen Öffentlichkeitsarbeit von Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig verweisen sie auf offene Fragen, etwa im Umgang mit historischer Genauigkeit, ethischen Aspekten und der Rolle von KI in der Wissensvermittlung. Fest steht jedoch: Die Kombination aus Archäologie, Games und Künstlicher Intelligenz eröffnet neue Wege, um Vergangenheit erlebbar zu machen.


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