Auf der gamescom dev 2026 soll ein Panel die Lage auf dem europäischen Games-Arbeitsmarkt untersuchen. In Green Shoots: Mapping Europe’s Game Talent Recovery in 2026 and Beyond diskutieren fünf Branchenvertreter darüber, ob sich nach Stellenabbau, Studioschließungen und Restrukturierungen bereits eine tragfähige Erholung abzeichnet.

Konzipiert und moderiert wird die Session von Fiona Cherbak, Gründerin der Personalberatung Rocket Game Talent. Cherbak war zuvor unter anderem für Talentthemen bei Sony PlayStation und Xbox Game Studios verantwortlich. Gemeinsam mit vier weiteren Panelisten will sie untersuchen, an welchen Einstellungs- und Recruitingdaten sich eine nachhaltige Verbesserung erkennen lässt – und welche vermeintlich positiven Signale lediglich auf kurzfristigen Auftragsspitzen beruhen.

Welche Signale sprechen tatsächlich für eine Erholung?

Der Titel Green Shoots beschreibt erste Anzeichen eines möglichen Aufschwungs. Ob Europas Games-Arbeitsmarkt diesen Punkt schon erreicht hat, soll auf dem Panel allerdings ausdrücklich nicht vorausgesetzt werden. Stattdessen wollen die Beteiligten zwischen längerfristigem Personalaufbau und kurzfristigen Verträgen unterscheiden.

Diese Trennung ist für Beschäftigte, Studios und Investoren gleichermaßen relevant. Neue Stellenausschreibungen können auf wachsende Produktionen hinweisen, aber auch nur einzelne Projektphasen, externe Aufträge oder den Ersatz zuvor abgebauter Kapazitäten abbilden. Erst wenn Einstellungen über mehrere Disziplinen und Projektphasen hinweg Bestand haben, lässt sich daraus eine stabilere Entwicklung ableiten.

Für Nico Balletta, Head of Program der gamescom dev, liegt der Wert der Session in ihrem Praxisbezug. Statt die Probleme der vergangenen zwei Jahre erneut aufzuarbeiten, soll das Panel zeigen, welche Entwicklungen derzeit funktionieren und wo neue Chancen entstehen. Dafür verbindet es internationale Perspektiven mit datenbasierten Einschätzungen zum europäischen Arbeitsmarkt.

Cherbak bringt dafür Erfahrungen aus großen First-Party-Organisationen mit. Sie arbeitete an der Personalbesetzung von Produktionen wie BioShock Infinite und God of War und verantwortete Talentprogramme für zahlreiche Xbox-Studios. Mit Rocket Game Talent berät sie heute Studios bei Recruiting, Personalstrategie und flexiblen Beschäftigungsmodellen.

Co-Development und Führung auf Abruf

Die Zusammensetzung des Panels zeigt, welche Arbeitsmodelle derzeit an Bedeutung gewinnen. Carlos Estigarribia, Vice President von OV Entertainment, vertritt die Perspektive eines portugiesischen Co-Development-Unternehmens mit Beschäftigten in Europa und Südamerika. Er soll erläutern, wie grenzüberschreitende Teams aufgebaut werden und weshalb Studios verstärkt nach erfahrenen Entwicklungspartnern mit flexiblen Kostenstrukturen suchen.

Joe Kataldo, Komponist, Sounddesigner und Eigentümer von Mad Wave Audio, arbeitet aus den USA mit einem italienischen Audio-Team für europäische und nordamerikanische Kunden. Seine Beteiligung steht für verteilte Produktionsmodelle, die längst nicht mehr nur Programmierung oder Art Outsourcing betreffen, sondern auch spezialisierte Bereiche wie Audio und Trailerproduktion.

François Roughol bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im World-, Level- und Mission-Design ein. Zu seinen Projekten gehören Ghost of Tsushima und BioShock Infinite. Mit Design Direction on Demand bietet er erfahrene Designleitung zeitlich begrenzt und projektbezogen an. Ein ähnliches Modell verfolgt Fabio Cristi, der nach Stationen bei Milestone und 505 Games heute als unabhängiger Senior Producer und Program Manager für Kunden in Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitet.

Solche „Fractional“-Rollen ermöglichen Studios den zeitlich begrenzten Zugriff auf erfahrene Führungskräfte, ohne dauerhaft eine Vollzeitposition aufzubauen. Das kann kleineren Teams Know-how verschaffen und Finanzierungslücken überbrücken. Für Beschäftigte bedeutet der Trend jedoch nicht automatisch mehr Sicherheit: Projektverträge, wechselnde Auftraggeber und grenzüberschreitende Arbeit verlagern einen Teil des wirtschaftlichen Risikos auf einzelne Fachkräfte.

Genau in diesem Spannungsfeld dürfte die Kernfrage des Panels liegen. Co-Development, externe Spezialisten und Führung auf Abruf können ein Zeichen neuer Nachfrage sein. Sie können aber ebenso darauf hindeuten, dass Studios feste Personalstrukturen weiterhin vermeiden. Eine belastbare Erholung des Arbeitsmarktes lässt sich deshalb nicht allein an der Zahl neuer Projekte, sondern auch an Vertragsdauer, Beschäftigungsqualität und langfristiger Planungssicherheit messen.

Cherbak soll während der gamescom dev außerdem einen weiteren Workshop zu Karriereberatung und Bewerbungsprozessen mitgestalten. Details dazu sollen zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden. Die gamescom dev läuft vom 23. bis 25. August im Kölner Confex; die eigentliche gamescom folgt vom 26. bis 30. August auf dem Gelände der Koelnmesse.

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RedaktionRedaktion GameBiz