Die Games-Branche in der Republik Moldau bekommt ein neues Wachstumssignal. Das Studio Paparuda Studio aus Chișinău hat nach Angaben der staatlichen Investitionsagentur ein Investment von mehr als 4 Millionen moldauischen Leu (~197 280 €) erhalten, um sein erstes international ausgerichtetes Videospiel zu entwickeln. Das Unternehmen wurde 2026 gegründet und will sich mit eigener IP klar von klassischen Outsourcing-Modellen absetzen.
Hinter Paparuda Studio stehen die Gründer Victor Marchitan, Artiom Snegur und Alex Culeva. Geplant ist, innerhalb der nächsten zwölf bis 15 Monate den ersten kommerziellen Titel auf den Markt zu bringen. Inhaltlich positioniert sich das Studio im Indie- und Double-A-Bereich und setzt zunächst auf kooperative Spielerfahrungen. Das frische Kapital soll vor allem den Teamaufbau finanzieren. Aus bislang fünf Mitarbeitenden sollen laut Ankündigung mittelfristig 15 bis 20 Spezialist:innen werden, darunter Entwickler:innen, Game Designer sowie 2D- und 3D-Artists.
Für den Standort ist das mehr als nur eine Einzelmeldung. Die moldauische Investitionsagentur rahmt Paparuda ausdrücklich als Beispiel für den Wandel der lokalen Tech- und Kreativwirtschaft hin zu höherwertiger digitaler Produktentwicklung. Gleichzeitig verweist sie auf Gespräche des Studios mit international bekannten Publishern wie Devolver Digital und Team17 sowie auf die Ambition, künftige Projekte für Plattformen wie PlayStation, Xbox und Nintendo zu veröffentlichen.
Flankiert wird diese Entwicklung durch den Ausbau der Ausbildungslandschaft. Die Moldova State University bietet inzwischen einen Bachelor-Studiengang in Game Design an, der Kompetenzen in interaktiver Gestaltung, Programmierung und visuellem Design vermitteln soll. Damit entsteht eine direktere Talentpipeline für Studios, die nicht nur Dienstleistungsprojekte abwickeln, sondern eigene Spiele entwickeln wollen.
Auch auf regulatorischer Ebene versucht Moldau, attraktiv zu bleiben. Der Moldova Innovation Technology Park wirbt mit einem vereinfachten 7-Prozent-Steuermodell auf den Umsatz, das mehrere Steuerarten bündelt und Unternehmen mehr Spielraum für Reinvestitionen geben soll. Dieses Modell wird sowohl von der staatlichen Investitionsförderung als auch vom Wirtschaftsministerium als zentraler Standortvorteil für digitale Unternehmen hervorgehoben.
Die wirtschaftlichen Rahmendaten passen zu diesem Narrativ. Laut Investitionsagentur erzielten Moldaus IT- und Kreativbranchen 2025 rund 864 Millionen US-Dollar und standen damit für mehr als ein Viertel der gesamten Dienstleistungsexporte des Landes. Über fünf Jahre hinweg habe sich der Sektor mehr als verdreifacht. Damit ist klar, warum die Regierung und ihre Standortagenturen Studios wie Paparuda inzwischen als Teil einer größeren industriepolitischen Entwicklung vermarkten.
Für die Games-Branche in Osteuropa ist Paparuda damit vor allem ein Signal. Moldau will nicht nur Tech-Standort sein, sondern sich zunehmend auch als Produktionsort für eigene Spielemarken positionieren. Ob daraus ein nachhaltiges Cluster entsteht, wird davon abhängen, wie viele Studios den Schritt von Dienstleistung zu eigener Wertschöpfung tatsächlich schaffen. Der Einstieg von Paparuda zeigt aber, dass genau dieser Übergang inzwischen aktiv finanziert und politisch unterstützt wird.
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