Videospiele können Müttern helfen, sich vom Familienalltag zu lösen, Stress zu regulieren und neue Energie zu gewinnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine explorative australische Studie. Die positiven Effekte entstehen allerdings nicht automatisch: Zeitmangel, häufige Unterbrechungen, ungleich verteilte Sorgearbeit und Schuldgefühle können die Erholung erheblich einschränken.

38 Mütter berichten über ihren Spielealltag

Für die Untersuchung werteten Fae Heaselgrave und Ashlee Borgkvist qualitative Antworten von 38 Müttern aus Australien aus. Die Daten stammen aus einer 2023 durchgeführten Onlinebefragung von insgesamt 94 spielenden Eltern und Betreuungspersonen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Mütter Gaming in ihren Alltag einbauen und welche Folgen die Bedingungen des Spielens für Motivation und Wohlbefinden haben.

Die Forscherinnen ordneten die Antworten mithilfe der Selbstbestimmungstheorie und der Erholungstheorie ein. Demnach kann Gaming drei psychologische Grundbedürfnisse unterstützen: Autonomie durch eigene Entscheidungen, Kompetenz durch Herausforderungen und Fortschritt sowie soziale Verbundenheit durch gemeinsames Spielen oder geteilte Erinnerungen.

Viele Teilnehmerinnen beschrieben Games als Möglichkeit, gedanklich Abstand zu gewinnen, zu entspannen und das eigene Handeln wieder stärker kontrollieren zu können. Kreativspiele, Rätsel, Strategiespiele und vertraute Titel boten je nach Situation unterschiedliche Formen der Erholung. Nostalgische Spiele stärkten zudem die Verbindung zur eigenen Biografie und eröffneten gemeinsame Erlebnisse mit den Kindern.

Pausieren und Speichern werden zu Schlüsselfunktionen

Entscheidend war weniger ein bestimmtes Genre als die Alltagstauglichkeit. Spiele, die jederzeit pausiert und gespeichert werden können, kurze Sitzungen erlauben oder flexible Schwierigkeitsgrade bieten, ließen sich leichter mit Betreuungspflichten vereinbaren. Onlinepartien mit Strafen für Inaktivität und umfangreiche Rollenspiele wurden dagegen teilweise gemieden, weil Unterbrechungen nicht planbar sind.

Die Studie macht außerdem eine soziale Hürde sichtbar. Einige Mütter empfanden Gaming trotz seiner erholsamen Wirkung als nicht ausreichend legitimierte Freizeit. Offene Hausarbeit, familiäre Organisation und die Freizeit des Partners erzeugten das Gefühl, es gebe stets etwas Wichtigeres zu tun. Die Autorinnen sprechen deshalb von einem umkämpften Wohlbefinden: Games können entlasten, doch der Zugang zu ungestörter Erholung ist ungleich verteilt.

Was Entwicklerstudios daraus ableiten können

Für Studios und Publisher ergeben sich konkrete Hinweise. Pausenfunktionen, frei wählbare Speicherpunkte, kürzere Missionen, variable Sitzungslängen und Bedienkonzepte für Situationen mit geteilter Aufmerksamkeit können Games zugänglicher machen. Solche Designentscheidungen lösen die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit nicht, senken aber praktische Barrieren.

Kleine und nicht repräsentative Stichprobe

Die Ergebnisse sind jedoch nur wenig repräsentativ. Die 38 Teilnehmerinnen meldeten sich selbst zur Studie und waren überwiegend gut ausgebildete, berufstätige und vergleichsweise einkommensstarke Gamerinnen. Die qualitative Untersuchung kann daher Zusammenhänge beschreiben, aber weder die Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung beziffern noch beweisen, dass Gaming das Wohlbefinden kausal verbessert. Die Autorinnen fordern größere, repräsentative Vergleiche mit weiteren Eltern- und Haushaltsgruppen.

Quelle: Fae Heaselgrave und Ashlee Borgkvist: [„Gaming is my main source of relaxation and stress relief“: the wellbeing benefits of gaming for mothers](https://doi.org/10.1080/22041451.2026.2708566), Communication Research and Practice, online veröffentlicht am 24. Juli 2026.

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RedaktionRedaktion GameBiz