Sonntag, Dezember 7, 2025

Ubisoft meldet starkes Halbjahr: Rekord-Net-Buchungen, Bilanzentlastung durch Tencent-Einstieg

Ubisoft hat seine Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 vorgelegt und meldet deutlich steigende Net Bookings bei weiterhin roten IFRS-Zahlen. Die Net Bookings stiegen in den ersten sechs Monaten auf 772,4 Millionen Euro, ein Plus von 20,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die nach IFRS 15 ausgewiesenen Umsatzerlöse gingen dagegen leicht auf 657,8 Millionen Euro zurück (–2,1 Prozent).

Im zweiten Quartal übertraf Ubisoft die eigene Prognose: Die Net Bookings erreichten 490,8 Millionen Euro, deutlich über der avisierten Marke von rund 450 Millionen Euro und 39 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Unternehmen führt die Entwicklung vor allem auf stärker als erwartete Partnerschaften sowie ein robustes Backkatalog-Geschäft zurück. Besonders die Assassin’s-Creed-Reihe entwickelte sich über Plan und verzeichnet gegenüber den vergangenen zwei Jahren rund 35 Prozent mehr Session Days, während The Division 2 vom „Battle for Brooklyn“-DLC profitierte und im laufenden Geschäftsjahr bereits höhere Buchungen erzielt als im gesamten Vorjahr. Dagegen lief Rainbow Six Siege in einem intensiven FPS-Umfeld verhaltener, auch aufgrund eines temporären Anstiegs von Cheating nach der Umstellung auf Free Access.

Auf Ergebnisebene zeigt sich eine deutliche Verbesserung der operativen Kennzahlen, auch wenn die IFRS-Zahlen nach wie vor negativ sind. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis drehte im ersten Halbjahr auf 27,1 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 252,1 Millionen Euro ausgewiesen worden war. Das Non-IFRS-Konzernergebnis lag mit –37,0 Millionen Euro ebenfalls deutlich besser als die –208,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Nach IFRS weist Ubisoft hingegen weiterhin einen Nettoverlust von 161,3 Millionen Euro aus (Vorjahr: –246,7 Millionen Euro).

Parallel treibt das Unternehmen seine strategische Neuaufstellung voran. Der bereits angekündigte Einstieg von Tencent in die neue Ubisoft-Tochter Vantage Studios steht unmittelbar vor dem Abschluss, alle aufschiebenden Bedingungen sind erfüllt. Der Deal bringt 1,16 Milliarden Euro in bar, soll die Nettoverschuldung (Non-IFRS) praktisch auf Null drücken und ermöglicht unter anderem die vorzeitige Tilgung von Term Loan und Schuldschein-Darlehen in Höhe von rund 286 Millionen Euro. Ubisoft will zugleich seine ungenutzte revolvierende Kreditlinie kündigen und mit Banken über eine neue, strategisch zugeschnittene Finanzierung verhandeln.

Organisatorisch stellt Ubisoft auf ein neues Modell sogenannter „Creative Houses“ um – autonome Einheiten mit eigener Führung, klarer kreativer Ausrichtung und Ergebnisverantwortung. Die erste Einheit bündelt die Marken Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six und soll langfristig milliardenschwere Markenkosmen aufbauen. Details der neuen Struktur will Ubisoft im Januar 2026 vorstellen. Parallel läuft ein Kostensenkungsprogramm, das bis zum Geschäftsjahr 2026/27 zusätzliche fixe Einsparungen von mindestens 100 Millionen Euro gegenüber 2024/25 bringen soll. Bereits jetzt liegt die fixe Kostenbasis im ersten Halbjahr bei rund 701 Millionen Euro und damit rund 9 Prozent unter dem Vorjahr; die Mitarbeiterzahl wurde binnen zwölf Monaten um etwa 1.500 auf 17.097 reduziert.

Für das laufende dritte Quartal peilt Ubisoft Net Bookings von rund 305 Millionen Euro an. Auf Gesamtjahressicht bestätigt das Unternehmen seine Ziele: Die Net Bookings sollen in etwa auf Vorjahresniveau liegen, das Non-IFRS-Betriebsergebnis soll ungefähr die Gewinnschwelle erreichen, der freie Cashflow bleibt voraussichtlich negativ. Nach Abschluss der Tencent-Transaktion erwartet Ubisoft eine Non-IFRS-Netto-Schuldenposition von rund Null. Ab dem Geschäftsjahr 2026/27 stellt das Management wieder positive Non-IFRS-Ergebnisse und freien Cashflow in Aussicht, getragen von umfangreichen Content-Plänen der großen Marken in den Jahren 2026/27 und 2027/28.

Inhaltlich setzt Ubisoft dabei auf einen dicht gefüllten Release-Kalender: Anno 117: Pax Romana ist bereits am 13. November mit einem Metacritic-Score von 85 gestartet, die kostenlose Erweiterung „Valley of Memory“ für Assassin’s Creed Mirage ist seit dem 18. November verfügbar. Noch im Dezember folgt die Erweiterung „From the Ashes“ für Avatar: Frontiers of Pandora, gefolgt von Prince of Persia: The Sands of Time Remake, Rainbow Six Mobile, The Division Resurgence sowie einem noch unangekündigten Titel im vierten Quartal. Ergänzend baut Ubisoft seine Marken mit TV- und Streaming-Formaten wie Splinter Cell: Deathwatch weiter aus, das zum Start 86 Prozent auf Rotten Tomatoes erreichte und in mehreren Ländern in den Netflix-Top-10 landete.


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