Microsofts Gaming-Sparte steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. In einer internen Nachricht an die weltweiten Xbox-Teams hat CEO Asha Sharma angekündigt, dass Xbox im laufenden Geschäftsjahr rund 3.200 Stellen abbauen will. Davon entfallen etwa 1.600 Stellen unmittelbar. Zusätzlich sollen vier Studios den Xbox-Verbund verlassen und unter neuer Führung weitergeführt werden.
Sharma begründet den Schritt mit einer strukturell ungesunden Geschäftslage. Xbox arbeite derzeit mit Margen, die deutlich unter denen vergleichbarer Plattform- und Publishing-Unternehmen lägen. Zugleich sei das Unternehmen in die aktuelle Konsolengeneration mit einer kleineren installierten Basis und höheren Kosten gestartet. Strategien wie Game Pass, Multiplattform-Veröffentlichungen und ein breiteres Content-Portfolio hätten zwar Wert geschaffen, aber nicht in dem Tempo, das erwartet worden sei. Vor diesem Hintergrund spricht Sharma von einem notwendigen Reset für Xbox.
Ein zentraler Teil dieses Umbaus betrifft das First-Party-Portfolio. Laut der internen Mitteilung sollen Compulsion Games und Double Fine Productions künftig wieder unabhängig agieren und ihre Markenrechte, ihren Katalog sowie Spielraum für ihre nächsten Projekte behalten. Ninja Theory und Undead Labs sollen unter neue Eigentümer wechseln und dort mit Finanzierung ihre laufenden Projekte weiterentwickeln. Für Arkane werde in Frankreich zunächst ein vorgeschriebener Konsultationsprozess mit dem Betriebsrat eingeleitet, um strategische Optionen zu prüfen.
Trotz der Einschnitte betont Xbox, dass keine öffentlich angekündigten First-Party-Spiele oder Projekte im Zuge der aktuellen Maßnahmen eingestellt werden. Gleichzeitig sollen Kürzungen und Prioritätsverschiebungen jedoch große Teile der Organisation betreffen, darunter Activision, Bethesda/ZeniMax, Blizzard, King, Mojang und Xbox Game Studios.
Neben dem Portfolio nimmt Xbox auch die eigene Plattformorganisation ins Visier. Sharma kritisiert eine zu komplexe Struktur mit in manchen Bereichen bis zu 14 Managementebenen. Die Plattformteams seien seit Beginn der aktuellen Generation um 40 Prozent gewachsen, obwohl Spielerbasis und Spielzeit zurückgegangen seien. Künftig sollen maximal fünf, wo möglich sogar nur drei Managementebenen verbleiben. Zudem will Xbox Vendor-Ausgaben um 50 Prozent senken und stärker auf direkte Verantwortlichkeiten und eine flachere Arbeitsweise setzen.
Ein weiterer Schritt ist die Neuordnung der operativen Führung. Helen Chiang wird zur Chief Operating Officer befördert und erhält erstmals eine durchgängige Ergebnisverantwortung über Inhalte, Hardware, Plattform und Services. Damit will Xbox Investitionsentscheidungen klarer bündeln und stärker auf messbare Resultate ausrichten. Gleichzeitig verabschiedet sich Dave McCarthy nach 17 Jahren von dem Unternehmen.
Strategisch markiert der Umbau eine deutliche Zäsur für Microsofts Gaming-Sparte. Nach Jahren des Wachstums durch Übernahmen und den Ausbau des Studio-Netzwerks setzt Xbox nun auf Fokussierung, flachere Strukturen und klarere wirtschaftliche Prioritäten. Für die Branche ist das ein starkes Signal, dass selbst einer der größten Player des Marktes seine Ambitionen an ein schwierigeres Hardware- und Margenumfeld anpassen muss.
Microsoft versucht den Schritt nicht als Rückzug, sondern als Neuausrichtung für künftiges Wachstum zu rahmen. Sharma betont, Xbox wolle weiterhin zu den wenigen Unternehmen gehören, die täglich mehr als eine Milliarde Menschen unterhalten. Kurzfristig jedoch steht zunächst ein schmerzhafter Einschnitt bevor, der den Konzern und seine Studios grundlegend verändern wird.
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